Doppelte Rückkehr nach Dresden

12.04.2011 21:16 von Lars Meyer

 

2005 war ein besonderes Jahr für Sie. Sie haben mit „Jam Session“ den silbernen Bären gewonnen in Berlin und später die Silberne Taube in Leipzig. Und im selben Jahr haben Sie auch am Austauschforum Teil genommen.

Ja, das war nach der Berlinale. Vermutlich hat jemand mir den Link geschickt, und das klang sehr interessant, und am Anfang habe ich gedacht: das ist wie ein Geschenk. Natürlich, ein Festival zu besuchen ist an sich schon sehr nett, aber danach noch zusammen auf Reisen zu gehen…

Josette

 

Die Reise ging in dem Jahr von Dresden nach Budapest und zurück. Waren Sie zuvor schon mal in Dresden gewesen?

Nein, aber danach oft. Ich mag das Festival, ich mag diese Atmosphäre, in der man gut über Filme sprechen kann. Aber Budapest war auch super, die ungarischen Animationsfilme zu sehen, mit ungarischen Regisseuren zu sprechen, die Kneipen zu entdecken. Die ganze Reise war ein großes Abenteuer, zusammen mit so vielen Animationsleuten und Produzenten. Die meisten kannten sich noch nicht, und wir haben ja nicht nur einen Abend, sondern eine Woche zusammen verbracht. Daraus hat sich etwas entwickelt danach. Ich habe zum Beispiel Spela Cadez aus Slowenien kennen gelernt, und wir haben zusammen den Marathonfilm gemacht.

 

Sie haben zusammen mit dem Produzenten Nico Grein dafür den Förderpreis der DEFA-Stiftung erhalten, der eigens für Teilnehmer des Forums ausgelobt wird. Wie kam es dazu?

Wegen des Nebels. Das war meine Idee, ich bin schuld. Bei „Marathon“ habe ich ein schönes Bild mit Nebel gesehen, Leute, Marathonläufer, die im Nebel verloren sind. Und wir hatten Glück, dass die DEFA Stiftung das Projekt gewählt hat. Vielleicht spielte ja eine Rolle, dass Helmut Morsbach, der Chef der Stiftung, selbst Marathon läuft. Am Anfang hatten wir 4.000 Euro, und das war super, weil wir dann noch mehr beantragen konnten und am Ende 17.000 Euro hatten, für diesen fünf Minuten langen Film. Das war der erste Film nach dem Studium, und für uns war dieses Budget echt OK. Ich mache ja keine kommerziellen Sachen. Und mit Knete ist es sowieso immer noch ein besonderer Fall. Wir haben damals noch bei mir im kleinen Zimmer gearbeitet, nach drei Monaten waren wir fertig. Seitdem hat die DEFA-Stiftung mir noch oft geholfen, zum Beispiel mit „Esterhazy“. Für diesen Film habe ich ein Stipendium bekommen, sogar ein Atelier für zwei Jahre.

 

„Esterhazy“ war dann schon 25 Minuten lang, also ein ganz schöner Sprung.

Bei „Esterhazy“ war es eine große Entdeckung, herauszufinden, wie es ist, mit einem großen Team zu arbeiten. Mit mehr als 15 Leuten. Ich hatte zunächst große Angst, man braucht einfach eine gute Logistik. Aber ich habe mich auch ein bisschen verändert und entdeckt, dass ich viel von meiner Mutter habe; sie war immer der Boss. Bei „Marathon“ waren wir nur ein ganz kleines Team, Spela und Agata Rojek für die Hintergründe.

 

Für Ihren neuen Film „Josette und ihr Papa“, der jetzt im Nationalen Wettbewerb des Filmfestes Dresden läuft, gab es dann wieder das Atelier. Ein Wort zu „Josette...“

Das beruht auf einem ungewöhnlichen Text von E.Ionesco. Es geht um die Beziehung zwischen einem Vater und seiner dreijährigen Tochter. Er kümmert sich allein um die kleine Josette, und sie spielen, aber dieses Spiel ist sehr besonders, denn der Vater sucht sie in der ganzen Wohnung. Rufus Beck hat dem Vater die Stimme gegeben, und Josette Anouk Grysczok, die Tochter eines unserer Animatoren.

 

Und die neuen Projekte?

Es gibt zwei. Ich plane einen langen Film, eine Comic-Adaption, über ein achtjähriges polnisches Mädchen, das in einer kleinen Stadt in den 80ern aufwächst. Ich komme selbst auch aus einer Kleinstadt, und irgendwie waren wir uns sehr ähnlich. Das zweite Projekt, „Liebling“, ist ein Beziehungsdrama. So viel kann ich verraten, die Kamera vertritt die Perspektive der Frau. Hier bei möchte ich auch wieder mehr selbst animieren, als ich es in den letzten Jahren im großen Team machen konnte. Ich hoffe, wir können bald anfangen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Austauschforum Perspektiven für den Animationsfilm: Seit 2002 organisiert das Filmfest Dresden zusammen mit dem Goethe-Institut das Treffen junger europäischer Trickfilmer mit wechselnden Partnerstädten in Osteuropa. Dieses Jahr feiert das Forum sein 10. Jubiläum mit einem großen Ehemaligentreffen und einem öffentlichen Filmprogramm.

Isabela Plucinska, Jahrgang 1974, studierte Animationsfilm in Lodz und Potsdam-Babelsberg. Sie ist trotz unterschiedlicher Themen in ihren Filmen ihrem bevorzugten Material, dem Plastelin, treu geblieben. Auf dem Filmfest Dresden läuft ihr Film „Josette und sein Papa“ im Nationalen Wettbewerb. Der Vorgängerfilm „Marathon“ wird in der langen „Nacht der Animation“ gezeigt.

www.izaplucinska.com

Filmfest Dresden: 12. – 17.4.2011, alle Programme, Spielorte, Termine: www.filmfest-dresden.de

 

 

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