Kuckucksuhren - traditionsreiches Zeitgefühl zwischen Kunst und Kitsch

05.03.2014 13:41 von Agentur

Wer die Kuckucksuhr mit Kunst und Kitsch in Verbindung bringt, sollte auch das dritte K in der Runde der Stereotype nicht vergessen: Kultur. Der Kulturbegriff mag manch einem gerade in Verbindung mit der Kuckucksuhr nicht schmecken. Doch er sei daran erinnert: Auch Sauerkraut gilt als deutsches Kulturgut, und das schmeckt auch nicht jedem.

Deutschland kam zur Kuckucksuhr, wie der Zaunkönig zum Kuckucksei. Soll heißen: Die Tradition der legendären Uhren wurde dem deutschen Volke praktisch ungewollt in die Wiege gelegt. Experten vermuten, dass die erste Kuckucksuhr aus Böhmen stammt. Die erste, urkundliche Erwähnung der Kuckucksuhr datiert aus dem Jahre 1629. Der Augsburger Kaufmann und Kunstagent Philipp Hainhofer war zu Gast bei Kurfürst August von Sachsen in Dresden. Dieser besaß eine prächtig geschmückte Kuckucksuhr. Vorhanden war eine kleine Klappe, aus der zu jeder vollen Stunde ein Kuckuck erschien, doch der kleine Vogel blieb stumm. Alles, was des Kurfürsts Kuckucksuhr verlautbaren ließ, war der für Wanduhren typische Gong. Der italienische Architekt Domenico Martinelli kam erst 40 Jahre später auf die glorreiche Idee, den Gong der Uhr durch den bis heute bekannten Ruf des Kuckucks zu ersetzen. Martinelli war damals übrigens gerade einmal 19 Jahre jung. Wahrscheinlich hat gerade deshalb die Kuckucksuhr bis heute nichts von ihrem jugendlichen Charme eingebüßt und findet sich als zeitangebendes Schmuckstück immer häufiger auch bei jüngeren Menschen.

Trotz Böhmen, Dresden und Italien darf man bei der historischen Aufarbeitung der Kuckucksuhr den Schwarzwald nicht vergessen. Die Kuckucksuhr ist das wichtigste Symbol der Region und das bekannteste und schönste Produkt Schwarzwälder Handwerkskunst. Die ersten Uhren entstanden dort wohl zwischen den Jahren 1730 bis 1740. "Wer hat's erfunden?" Die Antwort liegt im Dunkeln. Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang die Namen Franz Anton Ketterer, dessen Vater Franziskus Ketterer, Michael Dilger oder Matthäus Hummel auf. Sie alle entwarfen und entwickelten fein ausgearbeitete und liebevoll geschnitzte Kuckucksuhren, die allesamt ein Stück Schwarzwald repräsentierten. Die Uhren hatten allerdings noch nicht das bis heute bekannte Aussehen, das die Uhren Tradition weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machten. Es waren meist Unikate, hergestellt nach den individuellen Ideen und Vorstellungen ihrer Baumeister.

Das sollte sich 1850 ändern. In jenem Jahr kam der Direktor der Großherzoglich Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen, Robert Gerwig, auf die Idee eines Wettbewerbs, der für die Kuckucksuhr und den Schwarzwald weitreichende Folgen haben sollte. Uhrmacher der Region waren aufgerufen, ein zeitgemäßes Uhrendesign zu entwickeln. Der Architekt Friedrich Eisenlohr, Konstrukteur zahlreicher Bahnbauten entlang der damaligen, badischen Staatseisenbahn, bastelte einen Uhrenkasten im Stil eines kleinen Bahnwärterhäuschens, setzte ein Ziffernblatt darauf und hatte, ganz ungewollt, das U(h)rdesign der bis heute bekannten Kuckucksuhr geschaffen. Weitere Uhrmacher fügten in den Folgejahren Verzierungen, Schnitzarbeiten und Gewichte in Form von Tannenzapfen sowie, nicht zu vergessen, den berühmten Kuckuck hinzu.

Als Souvenir wird die Kuckucksuhr weit über die Grenzen Deutschlands hinaus verkauft, vor allem nach Asien und in die USA. Leider haben der schwache Dollarkurs und die Wirtschaftskrise auch vor den Kuckucksuhren nicht halt gemacht. Der Absatz brach in den letzten Jahren teils dramatisch ein. Mittlerweile haben die Schwarzwälder ihre Traditionsuhren den modernen Wünschen ihrer Kunden angepasst. Die Zeit macht eben auch vor Kuckucksuhren nicht halt. Und während des Lesens dieses Beitrages, ist schon wieder Zeit vergangen. Zum Kuckuck aber auch.



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