Irgendwie glücklich

03.07.2010 00:00 von Caren Pfeil

Im Foyer tummeln sich ein paar Erwachsene, die alle mehr oder weniger nach unten schauen. Ich folge ihren Blicken und entdecke: das Publikum. Der Boden ist sozusagen bedeckt mit kleinen Menschlein zwischen zwei und drei Jahren. Die Kinder tummeln sich im Unterschenkelbereich von Eltern oder Betreuerinnen, manches sowieso noch lieber auf allen vieren. Schon allein die Treppe zwischen Foyer und Café stellt für sie ein Abenteuer dar, es erfordert Geschicklichkeit und Mut, die drei Stufen zu je 25 Zentimeter zu erklimmen.

So vielfältig die Formen der bisher vier Inszenierungen für die Allerkleinsten sind, lassen sich doch Gemeinsamkeiten benennen. Zum Beispiel gibt es kaum Konflikte und keine Rollen im üblichen Sinn mit Text und Kostüm. Dennoch werden Geschichten erzählt, wenn auch meist nonverbal. Die Egozentrik der erwachsenen Spieler ist aufgehoben zugunsten des spielend handelnden Menschen, der Angebote zur ästhetischen Wahrnehmung macht.

 

Sanft lächelnde Eltern

Überhaupt scheint Wahrnehmung die zentrale Kategorie für diese Theaterform zu sein, die nicht beliebig auf ein anderes, älteres Publikum zu übertragen ist. Es sei denn, Erwachsene sitzen im Zuschauerraum, und das tun sie zahlreich, denn Zweijährige fahren nicht allein mit der Straßenbahn ins Theater. Und während die Kinder mit offenen Mündern das Geschehen verfolgen, sehe ich Erwachsene, die – wie mit dem Weichzeichner verfremdet –, sanft lächelnd und in entspannter Körperhaltung sowohl das Bühnengeschehen als auch ihre Kinder beobachten und nach 35 bis 45 Minuten irgendwie … glücklich wirken. Versachlicht ausgedrückt: Hier besinnt sich das Theater auf seine Wurzeln, entdeckt sie wieder, die große Erzählung von Licht und Schatten, von Tönen und Stille, von Bewegung und Bildern. Es findet und erfindet sich gleichsam neu, das scheint eine therapeutische Wirkung zu haben.

Zum Beispiel „Funkeldunkel Lichtgedicht“. Zwei Männer und eine Frau bewegen sich, in kreisrunde Lichtkegel tretend, über die Bühne. Die Kreise malt ein älterer Herr mit Hut und Stock, die beiden anderen machen weiße Tapsen mit Händen und Füßen. Und wenn sie tapsen, tönen Töne, erzeugt von einem Musiker, dessen fremdklingende Melodien voller Geheimnis und Vitalität ganz unbekannte Welten zu eröffnen scheinen. Kurze Geschichten vom Entstehen und Verschwinden des Lichts und dessen Schattengestalten werden ohne Worte erzählt, vielstimmige Gesänge glitzern voll Schönheit. Der Rhythmus ist langsam, aber nicht langweilig. Es ist mal laut, mal leise, aber nie grell, mal hell, mal dunkel, nie gleißend. Ying und Yang, das eine wie das andere. Und alles ist schön.

 

Ohne Bewertungsdruck verarbeiten

Eines der Geheimnisse dieses Theaters ist die Langsamkeit, die es erlaubt, sich dem Sehen und Hören ganz hinzugeben. Auf sanfte Weise wird den Sinnen Nahrung gegeben und Gelegenheit, alles nacheinander und ohne Bewertungsdruck zu verarbeiten.

„Funkeldunkel Lichtgedicht“ war die erste Inszenierung des TJG für die Allerkleinsten, zudem eine Produktion im Rahmen des Modellprojektes „Theater von Anfang an. Vernetzung, Modelle, Methoden: Impulse für das Feld frühkindlicher ästhetischer Bildung“, das im September 2006 vom deutschen Kinder - und Jugendtheaterzentrum initiiert worden war. Inzwischen ist in Dresden eine fünfte Inszenierung für diese Altersgruppe für November 2010 geplant, zeitgleich mit einem Laboratorium zum Theater für Kleinkinder.

Kürzlich las ich vom „Baby -Tanz - Fest“ am Mannheimer Kinder- und Jugendtheater Schnawwl, für Babys ab 8 Wochen (!) bis zu einem Jahr inklusive ihrer Mütter und/oder Väter. Inspiriert von zwei Musikern mit pentatonischen Tonreihen und einer Tänzerin sind hier alle Anwesenden Teil eines Ganzen, ist die räumliche Trennung von Zuschauern und Akteuren aufgehoben. Wenn nun die Erwachsenen, die von ihren ungeborenen Kindern vorerst noch träumen, ganz regelmäßig im Theater ihre Wahrnehmungen verfeinern und/oder (wieder)erwecken würden, müssten wir uns eine Generation später keine Gedanken mehr um deren ästhetische Bildung machen, sondern könnten uns entspannt zurücklehnen und uns freuen, dass das Fach Theater in der Schule zwar keine Noten, dafür aber sensible, wache und sozial kompetente Kinder hervorbringt.

 

Inszenierungen für die Allerkleinsten am TJG Dresden:

„Funkeldunkel Lichtgedicht“, Regie: Ania Michaelis

„Herr Sonne und Frau Mond machen Wetter“, Regie: Otmar Wagner

„Hand und Fuß“, Regie: Barbara Kölling

„Spiel – Zelt – Welt“ – eine theaterpädagogische Spielaktion in Kindergärten, Regie: Sabine Kolbe

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19.01.2011 18:41 von Caren Pfeil

Dresden träumt

Das Unkraut wuchert auf der 39.000 Quadratmeter großen Industriebrache. Gleichwohl ist das ehemalige Kraftwerk Mitte im Zentrum der sächsischen Metropole seit 16 Jahren Objekt kulturpolitischer Fantasien. Zuletzt ist Schwung ins Entscheidungskarussell gekommen. Man wagt zu hoffen: Dresden soll sein Kulturkraftwerk Mitte bekommen, ein modernes Kulturzentrum, in dem Jugendtheater, Staatsoperette, ein Kunstzentrum und die Dresdner Kreativwirtschaft Tür an Tür arbeiten werden.

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13.10.2010 19:22 von Tobias Prüwer

Postindustrielle Spiele

Mit dem Neuen Schauspiel Leipzig öffnet eine weitere Off-Bühne ihre Pforten. Besonders im hipp gewordenen Westen der Stadt wird die Leipziger Off-Szene immer lebendiger.

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03.10.2010 14:43 von Sebastian Göschel

Weitermachen!

Als der Ausnahmechoreograf Merce Cunningham im vergangenen Jahr starb, war die Trauer groß. Derzeit verbeugt sich seine Company noch einmal vor ihm – mit einer Abschiedstournee um die Welt. Eindrücke von der Aufführung an der Erfurter Oper sammelte Sebastian Göschel.

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03.07.2010 00:00 von Caren Pfeil

Irgendwie glücklich

Theater für Zweijährige – muss das sein? Das hatte ich mich vor meinem ersten Erlebnis dieser Art gefragt, zugegeben mit leichter Arroganz. Seit einigen Jahren bekomme ich im Dresdner Theater Junge Generation Gelegenheit, Antworten zu finden. Eine davon lautet: warum nicht?! Auch Zweijährige leben in unserer Welt, warum sollen sie nicht an unserer Kultur teilhaben?!

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17.08.2012 09:23

Berufsbild Maskenbildner

Fremdartige Welten oder ganz reale Situationen, in denen man sich wiederfindet - all dies ermöglicht das Theater mit verschiedensten Rollen. Wer besonders faszniniert von den Kostümen und dem Make-Up ist, kann sich überlegen, Maskenbildner am Theater zu werden. Um diesen Beruf ernsthaft zu ergreifen, sollte man natürlich gewisse Talente und Neigungen besitzen. Wer sich beispielsweise in seiner Freizeit viel mit den Themen Beauty und Schminken beschäftigt, wer es liebt, die verschiedensten Frisuren an sich oder Freunden auszuprobieren – der hat schonmal eine gute Grundlage, um später am Beruf des Maskenbildners seine Freude zu haben und darin aufzugehen. Dennoch gehört noch etwas mehr zu diesem Beruf.

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11.04.2012 02:00

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Bei der Wahl eines Tagungshotels sind viele Aspekte im Vorneherein von den planenden Personen zu beachten. Zu Beginn sollte man die grundlegenden Fragen zunächst klären. Sucht man ein Trendiges City Hotel, indem die Angestellten nach getaner Arbeit noch einen leckeren Cocktail genießen können oder möchte man eher in ein kleineres und familiäres Landhotel, bei dem sich die Kollegen abends in der Natur in Ruhe entspannen können.

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Es gibt zahlreiche Theater in Dresden. Die Adressen finden Sie im Tourismus-Portal für Dresden.

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